EKEL
Das zelebrieren von Handlungen, die im europäischen sowie nordamerikanischen Kulturkreis als “eklig” empfunden werden, ist ein relativ einfacher Schockeffekt, der schnell Aufmerksamkeit erzeugt. Einfach in dem Sinne, dass das, was als “eklig” empfunden wird, auf einem sehr homogenen Verständnis basiert. Ein Verständnis, das von Generation zu Generation weitergegeben wird, ein Spiel mit den Urinstinkten des Menschen, das weitesgehend in erwartbaren Reaktionen mündet. Der Mode-Film macht sich diese vorhersehbaren Reaktionen zu Nutze, um Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Die explizite Darstellung steht in einem Kontrast zu den eigentlich präsentierten “schönen” Objekten, Kleidung oder Schmuck.
OKKULTE SYMBOLE
Okkult im Sinne von mystisch, esoterisch oder übersinnlich. Die Formen der Symbole sind meist bekannt, können im Gegensatz jedoch zu dem Zeichen des christlichen Kreuzes von kaum einem Rezipienten erkannt und dechiffriert werden. Sie bleiben also vage und undefiniert in ihrer Aussage, lassen Raum zur Spekulation und sollen eher als Ornamentik, denn als Zeichen mit Aussagekraft verstanden werden. Ebenso wie die visuelle Wirkung einer Kollektion im Vordergrund steht, als eine Aussage. An der Produktion des Klassikers Nosferatu (1922) übernahm der Okkultist Friedrich Wilhelm Murnau die künstlerische Leitung, entwarf die Dekorationen und Kostüme und schuf somit einen Klassiker, dessen Ästhetik bis heute viele Nachahmer findet in seiner mystischen Grundstimmung und Symbolreichhaltigkeit.
HOMMAGE
Die Mode ist, wie auch der Horror-Film, ein selbstreferentielles System. Sie bezieht sich auf sich selbst, bedient sich an vergangenen Trends und setzt diese in einen neuen Kontext. Ein Remix des Remixes des Remixes. Oftmals ist der Ursprung einzelner Strömungen nur noch schwer auszumachen. So lebt auch der Horror- Film von seinen zahlreichen Remakes und Hommagen an vergangene Werke. Das Spiel mit dem Bekannten, den Konventionen und der neuen Kontextualisierung. Ähnlich verhält es sich in der Außendarstellung der Mode. Ästhetische Strömungen werden aufgenommen und in neue Zusammenhänge gesetzt. Häufig in der Form der Hommage, in der Bildwelten nachempfunden und in diesen ästhetischen Bildwelten eigene Geschichten erzählt werden.
DER ANDERE
Der Fremde ist ein stets wiederkehrendes Motiv der Suspense Literatur- und Filmwelt. Er repräsentiert neues Gedankengut, das in ein vertrautes Umfeld durch ihn transportiert wird. Ob er Gutes oder Unheil über die Umgebung bringt, bleibt häufig im Verborgenen und ändert sich von Werk zu Werk (Zombie, Endzeitfilm, Loner- Horror). Wichtiger ist jedoch der Kontrast zu der bestehenden Welt. In der Darstellung erfährt er eine deutliche Abgrenzung durch sein Aussehen (Kleidung, Ethnie, …) und/oder Verhalten (Sprache, Brauchtum, …). Das “der Fremde” sich deutlich von seiner Umgebung abgrenzt, macht ihn zu einem interessanten Motiv für die Welt der Mode, die sich ebenfalls durch Abgrenzung gegenüber anderen Stilen und Marken und dem unabdingbaren Willen “Neues” zu erschaffen auszeichnet.
Visual Aesthetics of Classic Horror Movies in the Modern Fashion Film
Das Ziel des Horrorfilm ist es, bei dem Rezipienten Gefühle der Angst, des Schreckens und Verstörung auszulösen. Reich an Übernatürlichem, Mystischem ist er doch meist in unserer realen Welt fest verankert. Es gilt der Rationalismus unserer gelernten Umgebung. Und gerade durch die vermeintliche Nähe zu unserem Alltag, entfalten die Effekte ihre Wirkung. In der Schnittmenge zwischen Kunst und Kommerz bewegt sich das relativ neue Genre des Mode-Films. Er entwickelt sich immer weiter davon weg, einzig die Kollektion zu präsentieren. Der Kunstanspruch, welcher der Mode inne wohnt, schlägt sich maßgeblich in der Schaffung des Films nieder. Die meist zwischen zwei bis fünf Minuten langen Werke erzählen komplexe Geschichten, in denen die Mode selbst häufig zur Staffage verkommt. Um in dieser kurzen Zeit die Aufmerksamkeit der Zielgruppe zu erhalten und einen nachwirkenden Eindruck zu hinterlassen, bedient sich der Mode-Film vieler Stilistiken des klassischen Horrorfilms.
CHRISTENTUM
Das Christentum als vorherschende Religion der westlichen Welt mit ihrem reichen Fundus an Symbolen, Zeichen und Brauchtumen ist eine reichhaltige Quelle. Die Symbole des Christentums werden gerne im Gegensatz zu okkulten Symbolen genutzt (z.B: in “Nosferatu,1922”). Wobei das Christentum das Gute repräsentiert. Oder aber auch als Religion die Platz lässt für Fanatismus (z.B. Carrie,1976). Besonders die Alltäglichkeit des Glaubens schafft eine bedrohliche Nähe und erlaubt das Spiel mit Vorstellungen und Konventionen des Betrachters und somit zu Provozieren. Der Mode-Film macht sich den Moment der Provokation zu eigen in dem er mit der Zeichenund Bildwelt experimentiert. Doch letztlich ohne wirkliche Aussage bleibt.
ABSTRAKTE LANDSCHAFT Stark stiliserte Landschaften, die nur das nötigste Darstellen um eine bestimmet Stimmung zu erzielen sind ein weitverbreites Stilmittel. Die Umgebung wird in vielen Frühwerken, insbesondere die vom Expressionismus beeinflussten Werke Murnaus, stark abstrahiert dargestellt. Ein Baum und Nebel genügt um einen dunklen Wald in der Fantasie des Betrachters aufleben zu lassen. Eine weite leere Fläche verdeutlicht die Weite, ohne aber wirklich etwas darzustellen oder Objekte zu benötigen. Einst aus den eher knappen Produktionsbudgets erwachsene Lösungen finden immer mehr Anwendung. Der Mode-Film, denen es wie in den Frühwerken eher um eine idealisierte Darstellung geht, bedient sich der Mechanik. Die Präzesion der Aussage wird erhöht da weniger Interpretationsspielraum für den Betrachter bleibt.
UREINWOHNER
Der naturverbundene Ureinwohner lebt im Einklang mit der Natur und ist anderen Gesetzen unterworfen, als es der Lebensform der westlichen Zivilisation entspricht. Der westliche Wertekanon verliert an Wert. Gewalt, absonderliche Naturreligions-Rituale und sexuelle Ausschweifungen bilden häufig den Kern der Erzählungen. Der Ureinwohner ist somit einerseits das Ideal des ursprünglichen Menschen, aber auch gleichzeitig eine Bestie, die der Zivilisierte nicht einzuschätzen vermag. Es treffen Urgewalten auf die Errungenschaften der Zivilisation. Dieser Konflikt macht den Reiz des Sujets aus. Im Mode-Film geht es um die Rückkehr zur Ursprünglichkeit, der Abkehr von der Moderne. Zurück zu Instinkt getriebenen impulsiven Handlungen und natürlicher, wenn auch stark stilisierter, Körperlichkeit.
Das Interview Magazin dokumentiert den natürlichen Lebensraum von Kreativen und Meinungsführern. In der ersten Staffel ausschließlich in Berlin.
Stark bestezt mit Hadnet Tesfai, Tim Dobrovolny von Get Physical, Edsor Kronen, Nicolaus Jagedfeld vom Quarties 206, Uslo Airlines, und aus der Heimat Victoria Chritia von DeinDesign.
Art Direction im Hause NoMoreSleep.