Mountainbike/ Freeride in Finale Ligure

Finale Ligure ist wohl eines der traumhaftesten Urlaubsziele für (Enduro/Freeride) Mountainbiker.
Viele verschiedene Untergründe. Wald, Sandstein, Muschelkalk, Geröll und Erde wechseln sich alle paar Höhenmeter ab. Trails aller Schwierigkeitsgrade.

Ein paar Fragen die ich mir vor dem Besuch gestellt hab möchte ich hier kurz beantworten. Vielleicht hilft es ja jemand anderem weiter. Die Antworten sind auch Sicht eines Freeriders der gerne seine Zeit im Bikepark verbringt. Für CC Fahrer gibt es auch tolle Trails, die hab ich mir jetzt aber nicht direkt angesehen ;)

Das Bike:
160mm — 180mm mit Single Crown Gabel. Es gibt diverse Gegenanstiege und Spitzkehren die so deutlich mehr Spaß machen. Einige Strecken muss man sich auch selbst erkämpfen und das macht mit dem DH-Bike nur wenig Spaß. Die Strecken sind extrem Material fressend. Man sieht eigentlich ständig jemanden mit Inbus Schlüssel rumhantieren. Für Leichtbau ist hier definitiv der falsche Platz.

Reifenwahl:
Vorderrad: Das ideale Finale Bike verfügt über dicke FR-Allround Reifen wie die Magic Mary von Schwalbe oder den Baron von Continental. Für Grip auf den verschiedenen Untergründen und auch bei Nässe. In den Bergen ist das Wetter häufig anders als am Meer und viele Pfützen und Matschlöscher trocknen dort nur langsam ab. Mit dem Minion hatte ich zuviel Matsch Kontakt auch bei Sonnenschein, so dass ich vorne die Mary in Vert Star aufgezogen hab. War dann auch die Idealbesetzung.
Hinten: Snakebites waren die häufigste Ursache für Platten. Ich fahre gewöhnlich 1.8 bei 72kg Gewicht und bin hier ca. 2bar hinten gefahren. Also ein bisschen mehr als auf dem Hometrail. Eine gescheite Karkasse ist ratsam wenn man fahren statt flicken will.

Die Trails:
Es fällt schwer Favoriten zu wählen, manche Trails sind sehr anstrengend bei dem ersten Ride. Aber fantastisch bei Lauf 3 & 4. Der “Madonna” und daneben “Kill Bill” sind so Kandidaten: Hohe Stufen & steile Geröllfelder die mit Geschwindigkeit genommen werden wollen. Das gibt Sicherheit. Spitzkehren, ein Boden mit super Grip. S1 — S3. Von sehr flowing bis sehr technisch.
Bei dem ersten Run bin ich 3 mal gestürzt, meist da ich zu langsam war und ich bin auch nicht alles gefahren. Der Trail fordert, aber belohnt auch mit fantastischem Flow wenn man sich traut die Bremse aufzumachen.
Auf Anhieb Spaß machen der “Rollercoaster” & “Delirium”. Abfahrt von der Osteria “DIN”. Kleine Sprünge, Drops, Anlieger. Toll! Ansträngender als die Beschaffenheit waren die vielen Tannenzapfen. Da fährt es sich wie auf Kugellagern. Ich hasse Tannenzapfen. Beide Trails sind Standards im Programm der Shuttle Anbieter. Madonna wohl nur bei technisch starker Gruppe.
Ein Trail den man sich ohne Shuttle-Service selbst erarbeiten kann, ist die “La Manie” Runde. Aufstieg über die SP45. Im oberen Teil ein Singletrail auf losem Schotter wird er zu einem Anlieger Eldorado mit stark verdichtetem Boden. Bremse auf, reinlegen, Spaß haben. Und gleich noch mal zum Einstieg fahren. Am Ende von Part 1 liegt ein Campingplatz mit Küche. Ich könnte allein hier in der Kombination schon einen Tag verbringen.
Hinter dem Campingplatz geht es zum Einstieg zu dem Varigotti DH. Men & Woman. Hinter einem kleinen Weinberg trennen sich die Wege. Rechts zu Frauen, und links zur Männerstrecke. Frauen = Singletrail Geröll Spaß mit kleinen Steinstufen der sich bis fast an das Meer schlängelt. Unterwegs gibts es ein paar verschiedene Linien die man wählen kann. beim ersten Mal nicht einfach durchblasen sondern auch nach den Alternativen Ausschau halten. Guter Trail für die ersten Tage. Nie richtig fies & mit Flow.
Men = Viel steiler als es in den Videos aussieht. Technisch. Muss man mögen.
Es wird hier oben schnell sehr heiss. Gerade auf der Manie Runde brennt die Sonne erbarmungslos runter und es gibt fast keinen Schatten. Unbedingt ausreichend Wasser dabei haben.
Ach: Bremswellen hab ich auf kaum einem Trail gesehen. Trotz 24h Finale, Motocross-Uphill-Nutzung(sick!) der Trails und Enduro Championships.
Wer nur Bock auf die krassen natürlichen Downhill Pisten hat findet hier auch sein Glück. Aber ihm entgeht auch einiges.

Skills:
Wer noch nie in alpinem Gelände unterwegs war, sollte es sich gut überlegen ob er einen Tag shuttlen geht. Die Strecken sind schnell 3-4 mal so Lang wie der DH in Winterberg oder Bad Wildbad und alles andere als ein platt gewalzter Pumptrack.
Basics bei denen man ein Häkchen machen sollte für sich: Drops bis 1m Höhe, Anlieger fahren, Enge Kurven mit Hinterradversetzen, Steinfelder, Schotterpisten, Reifen flicken.

Protection:
Full Face! Knie, Ellenbogen und Brust, Rücken, Schulter ist Pflicht. Bei den Steinen zieht man sich schnell Schnittverletzungen zu. Evoc Rucksack + Oberkörper Enduro Schutz hat bei mir ganz gut gepasst. Für machen Abschnitte hätte ich mir aber auch den Panzer gewünscht. Ich lag jeden Tag mal im Staub.

Shuttle:
Ich bin mit freeride finale geshuttelt.
Nette Guides, tolle Trails & sich gut an die Gruppen angepasst soweit ich das mitbekommen hab. Auch bei defekten sehr hilfsbereit. Mir ist am ersten Tag mein Dämpfer gebrochen, ich wurde 10km bis nach Finale mitgenommen, hab mir dort einen neuen Dämpfer geliehen und wieder zurück zur Gruppe gebracht. Nicht selbstverständlich so ein extra Umweg!
Shutteln ist je nach Trails physisch sehr anstrengend. Ich würde je nach Kondition 1 Tag Pause dazwischen machen und ein paar andere Trails fahren. Ausser man fährt in seiner Freizeit den ganzen Tag in Bad Wildbad oder die x-line in Saalbach 10 mal hintereinander. Die Freeride Trails sind lang und fordernd.
Anfänger sind mir nur einmal begegnet: Beim tragen ihrer Bikes seit 30min den Trail bergab.

Sonst so:
Das Eis war eigentlich überall klasse. Central in Finalborgo hat mir am besten Geschmeckt. Bei den Restaurants kann ich jetzt keinen Favoriten herauspicken. Wir haben eigentlich jeden Abend toll gegessen. Waren alle “ähnlich” gut. Einfach treiben lassen und reingehen was einen interessiert.. Das Meer ist fantastisch! Der Strand am Tunnel zu Varigotti wurde unser Stammort. Man ist schnell vom DH dort, und ein relativ günstiges Kiosk gibt es auch. Unter der Promenade ist auch ein bisschen Schatten.
Sehr zu empfehlen sind die “pasta fresca” Läden die tolle frische Nudeln + Pesto zu mitnehmen anbieten.

Happy Trails!


 
 
 

Kommentar abgeben: